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     HIZ - Artikel  vom   06. Mai  2010                   

Kultur in Ferch.
Denkmalgeschützte Fercher Fischerkirche.
Werder (Havel) / Schwielowsee:
- Die denkmalgeschützte Dorfkirche in Ferch ist ein in seiner Art besonders gestalteter Kirchenbau, was ihr die Bezeichnung Fischerkirche hat zukommen lassen. Im 17. Jahrhundert (vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg) wurde sie als schlichte märkische (evangelische) Predigerkirche erbaut. Auf einer kleinen Bodenerhebung steht aus solidem Holzwerk ein dreiachsiger Fachwerksaal mit polygonalem Chorabschluss und Westturm. Die Holzdecke ist als Tonne gewölbt und hat die Form eines auf dem Kopf liegenden Kahns (Kirchenschiff). Der an der Westseite der Decke sichtbare Auflagebalken des Turms kann als Steuerruder des Kahns gedeutet werden. Die Wolkenbildung über dem Schwielowsee, wie die Fischer bei ihrer Arbeit erlebten, diente wohl als Motiv für die Bemalung der Decke und stellt das himmlische Reiche Gottes dar. Einige Wolken wurden mit Gesichtern (Darstellung von Engeln) versehen.  Die

Einrichtung (Altar, Taufengel, Empore und Gestühl) stammt aus der Bauzeit der Kirche. Der im Chorraum stehende Kanzelaltar ist mit einfachen Schnitzereien und Malereien (Christus und die vier Evangelisten) versehen. Kanzel und Schalldeckel hängen zwischen zwei gedrehten Säulen, unter denen die Wappen der Plessower Patronatsfamilien (links: Rochow, rechts: v. Arnim) eingefügt sind. Der Taufengel könnte als Galionsfigur des Schiffes gedacht sein. Bei Taufen wird er heruntergelassen. So wird das von Gott (von oben) kommende Heil versinnbildlicht. In der Muschel hält der Engel die Taufschale (Zinn, 1738). Sie ist von einem Handwerksmeister des Ortes gestiftet worden. Die Deckenbeleuchtung im Altarraum stellt den Stern von Bethlehem dar. Eine besondere Rarität stellen die an den Emporen angebrachten und etwa kronförmig gestalteten Totenbretter (Kronenbretter, Totenkronen) dar. Sie wurden von den Angehörigen zur Erinnerung an ihre zumeist im Kindesalter Verstorbenen angebracht. An Gedenktagen wurde darauf Blumenschmuck gestellt. Die Weisheit der Sprüche auf diesen Tafeln passt auch in unsere Zeit. Geschichte des Totenkronenbrauchtums: Der Tod von Kindern und Jugendlichen wurde in den vergangenen Jahrhunderten – sicher auch wegen der hohen Kindersterblichkeit – als besonders schmerzhaft empfunden. Hieraus hatte sich der Brauch beim Ledigenbegräbnis entwickelt: die Totenkronen und Totenkränze für unverheiratete Verstorbene sowie die zu  ihrer

Präsentation in der Kirche gefertigten Totenbretter (Kronenbretter). Totenkronen waren im gesamten deutschsprachigen Raum etwa vom 17. Jahrhundert bis teilweise in 19. Jahr-hundert das wichtigste Attribut des als Hochzeit verstandenen Begräbnisses ledig Verstorbener beiderlei Geschlechts. Wahrscheinlich wurde der Totenkronenbrauch in allen Städten und Dörfern der Mark Brandenburg gepflegt. Die Totenkronen wurden dabei vornehmlich Säuglingen, Kindern und jungen Menschen als Ersatz für die zu Lebzeiten entbehrte Brautkrone verehrt. In diesem Brauch lebte die heidnische Totenhochzeit fort, die dem früh Verstorbenen sein Recht auf Vermählung noch im Tode zustand. Sie wurde in die christliche Himmelshochzeit geführt, indem man die Kronen als Lohn für ein tugendhaftes und jungfräuliches Leben verlieh. Sie machten aus den Verstorbenen himmlische Bräute und Bräutigame, die unmittelbar in das Reich Gottes eingingen und dort Fürsprache für ihre Hinterbliebenen nehmen konnten. [Literaturquelle: Sylvia Müller, Vergessene Denkmäler der Liebe. Der Totenkronenbrauch in der Mark Brandenburg] 1965 erhielt die Kirche eine kleine Orgel der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke. 1981 wurde an vielen Holzteilen der Kirche der starke Befall mit holzzerstörenden Schadinsekten festgestellt. Als Gegenmaßnahme wurde die Kirche für mehrere Tage in Folie verpackt und anschließend eine Blausäurebegasung ausgesetzt. Zur Kontrolle wurden empfindliche Mikrofone so angebracht, dass die Fressgeräusche der Insektenlarven zu hören waren. Die Begasung wurde erfolgreich beendet, als die Mikrofone keinerlei Geräusche mehr registrierten. Untersuchungen an den

tragenden Holzteilen nach 1997/98 ergaben, dass die Standsicherheit der Kirche ohne eine umfangreiche Restaurierung und Sanierung in absehbarer Zeit nicht mehr gegeben wäre. Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, mit Landes- und Bundesmitteln, mit Hilfe der Landeskirche und durch Einzelspenden konnte 1999/2000 mit einem finanziellen Aufwand von annähernd 330.000,00 DM (ca. 169.000,00 EUR) die Kirche saniert und restauriert werden und auch eine neue Turmkrönung erhalten. Das Geld reichte aber nicht für die Restaurierung des Kanzelaltars. Dessen schlechter farblicher Zustand hatte sich zum restaurierten Innenraum der Kirche nun besonders kontrastreich hervorgehoben. Nachdem hierfür die Finanzierung aus eigenen Mitteln gesichert war, konnte im Jahr 2002 auch die Restaurierung des Kanzelaltars, sowie z. T. auch die des Taufengels begonnen und 2003 abgeschossen werden.