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Kultur in Ferch.
Denkmalgeschützte Fercher Fischerkirche.
Werder (Havel) / Schwielowsee: -
Die denkmalgeschützte Dorfkirche in Ferch ist ein in seiner Art besonders
gestalteter Kirchenbau, was ihr die Bezeichnung Fischerkirche
hat zukommen
lassen. Im 17. Jahrhundert (vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg) wurde
sie als schlichte märkische (evangelische) Predigerkirche erbaut.
Auf einer kleinen Bodenerhebung steht aus solidem Holzwerk ein dreiachsiger
Fachwerksaal mit polygonalem Chorabschluss und Westturm. Die Holzdecke ist
als Tonne gewölbt und hat die Form eines auf dem Kopf liegenden Kahns
(Kirchenschiff). Der an der Westseite der Decke sichtbare Auflagebalken des
Turms kann als Steuerruder des Kahns gedeutet werden. Die Wolkenbildung über
dem Schwielowsee, wie die Fischer bei ihrer Arbeit erlebten, diente wohl als
Motiv für die Bemalung der Decke und stellt das himmlische Reiche Gottes
dar. Einige Wolken wurden mit Gesichtern (Darstellung von Engeln) versehen.
Die
 Einrichtung (Altar, Taufengel, Empore und Gestühl) stammt aus der
Bauzeit der Kirche. Der im Chorraum stehende Kanzelaltar ist mit einfachen
Schnitzereien und Malereien (Christus und die vier Evangelisten) versehen.
Kanzel und Schalldeckel hängen zwischen zwei gedrehten Säulen, unter denen
die Wappen der Plessower Patronatsfamilien (links: Rochow, rechts: v. Arnim)
eingefügt sind. Der Taufengel könnte als Galionsfigur des Schiffes gedacht
sein. Bei Taufen wird er heruntergelassen. So wird das von Gott (von oben)
kommende Heil versinnbildlicht. In der Muschel hält der Engel die Taufschale
(Zinn, 1738). Sie ist von einem Handwerksmeister des Ortes gestiftet worden.
Die Deckenbeleuchtung im Altarraum stellt den Stern von Bethlehem dar.
Eine besondere Rarität stellen die an den Emporen angebrachten und etwa
kronförmig gestalteten Totenbretter (Kronenbretter, Totenkronen) dar. Sie
wurden von den Angehörigen zur Erinnerung an ihre zumeist im Kindesalter
Verstorbenen angebracht. An Gedenktagen wurde darauf Blumenschmuck gestellt.
Die Weisheit der Sprüche auf diesen Tafeln passt auch in unsere Zeit.
Geschichte des Totenkronenbrauchtums: Der Tod von Kindern und Jugendlichen
wurde in den vergangenen Jahrhunderten – sicher auch wegen der hohen
Kindersterblichkeit – als besonders schmerzhaft empfunden. Hieraus hatte
sich der Brauch beim Ledigenbegräbnis entwickelt: die Totenkronen und
Totenkränze für unverheiratete Verstorbene sowie die zu ihrer
 Präsentation
in der Kirche gefertigten Totenbretter (Kronenbretter). Totenkronen waren im
gesamten deutschsprachigen Raum etwa vom 17. Jahrhundert bis teilweise in
19. Jahr-hundert das wichtigste Attribut des als Hochzeit verstandenen
Begräbnisses ledig Verstorbener beiderlei Geschlechts. Wahrscheinlich wurde
der Totenkronenbrauch in allen Städten und Dörfern der Mark Brandenburg
gepflegt. Die Totenkronen wurden dabei vornehmlich Säuglingen, Kindern und
jungen Menschen als Ersatz für die zu Lebzeiten entbehrte Brautkrone
verehrt. In diesem Brauch lebte die heidnische Totenhochzeit fort, die dem
früh Verstorbenen sein Recht auf Vermählung noch im Tode zustand. Sie wurde
in die christliche Himmelshochzeit geführt, indem man die Kronen als Lohn
für ein tugendhaftes und jungfräuliches Leben verlieh. Sie machten aus den
Verstorbenen himmlische Bräute und Bräutigame, die unmittelbar in das Reich
Gottes eingingen und dort Fürsprache für ihre Hinterbliebenen nehmen
konnten. [Literaturquelle: Sylvia Müller, Vergessene Denkmäler der Liebe.
Der Totenkronenbrauch in der Mark Brandenburg]
1965 erhielt die Kirche eine kleine Orgel der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke.
1981 wurde an vielen Holzteilen der Kirche der starke Befall mit
holzzerstörenden Schadinsekten festgestellt. Als Gegenmaßnahme wurde die
Kirche für mehrere Tage in Folie verpackt und anschließend eine
Blausäurebegasung ausgesetzt. Zur Kontrolle wurden empfindliche Mikrofone so
angebracht, dass die Fressgeräusche der Insektenlarven zu hören waren. Die
Begasung wurde erfolgreich beendet, als die Mikrofone keinerlei Geräusche
mehr registrierten.
Untersuchungen an den
 tragenden Holzteilen nach 1997/98 ergaben, dass die
Standsicherheit der Kirche ohne eine umfangreiche Restaurierung und
Sanierung in absehbarer Zeit nicht mehr gegeben wäre. Gefördert durch die
Deutsche Stiftung Denkmalschutz, mit Landes- und Bundesmitteln, mit Hilfe
der Landeskirche und durch Einzelspenden konnte 1999/2000 mit einem
finanziellen Aufwand von annähernd 330.000,00 DM (ca. 169.000,00 EUR) die
Kirche saniert und restauriert werden und auch eine neue Turmkrönung
erhalten.
Das Geld reichte aber nicht für die Restaurierung des Kanzelaltars. Dessen
schlechter farblicher Zustand hatte sich zum restaurierten Innenraum der
Kirche nun besonders kontrastreich hervorgehoben. Nachdem hierfür die
Finanzierung aus eigenen Mitteln gesichert war, konnte im Jahr 2002 auch die
Restaurierung des Kanzelaltars, sowie z. T. auch die des Taufengels begonnen
und 2003 abgeschossen werden. |