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        HIZ - Artikel   vom  24. April  2012               

Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach in Stölln.
Ein stiller Held ging leise von der Bühne. Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach erinnert sich an eine schöne Zeit im Cockpit.

Werder(Havel)/Stölln:
- Am 23.Oktober 1989 landete der Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach ein Langstrecken-passagierflugzeug russischer Bauart der Interflug Typ Iljuschin 62 auf der nur 860 m kurzen Gras-Landebahn des Segelflugplatzes von Stölln und kam damit ins Guinnessbuch der Rekorde. Die von Kallbach gelandete IL-62 u  „Lady Agnes“ wurde auf dem ältesten Flugplatz der Welt als Denkmal für den auf diesem Platz am 09.08.1896, aus 15 m Höhe tödlich abgestürzten Pionier der  Luftfahrt, Ingenieur Otto Lilienthal, als bleibende Erinnerung abgestellt. Nachdem Lilienthal in Werder (Havel)/OT-Derwitz keine für seine Versuche mehr ausreichende Gegebenheiten mehr vorfand, verlegte er seine Flüge nach Stölln am Fuße des 110m hohen Gollenberg, dem höchsten Berg im Havelland. Dort flog er zum ersten mal eine Strecke von mehr als 50 Meter und vollbrachte sogar ein
Kehrtwende vor seiner Landung. Im vorderen Teil des als Denkmal abgestellten Flugzeuges ist ab dem 22.04.2012 eine Interflugausstellung untergebracht. Ebenso ist ein Filmbeitrag der damaligen Nachrichtensendung der DDR "Aktuellen Kamera" über die Spektakuläre Landung vom 23. Oktober 1989 zu sehen. Im hinteren Teil befindet sich ein Standesamt, wo sich Pärchen aus allen Teilen der Welt bereits ihr "Ja" Wort gaben. Die stillen Helden von diesem Tage gaben sich zur Eröffnung dieser neuen Ausstellung ein Stelldichein und schwelgten in Erinnerungen.
Heinz-Dieter Kallbach, Sohn einer Stahlarbeiterfamilie aus Essen, die 1942 aus Angst vor weiteren heftigen Luftangriffen auf Essen zurück in ihre alte Heimat, die Lausitz zog. Er begann 1955 in der DDR eine Lehre als Dreher und meldete sich freiwillig zwei Jahre später (1957) zur Nationalen Volksarmee der DDR. In Brandenburg-Briest und in Dessau lernte er das Fliegen auf dem Antonow An-2 Doppeldecker und der zweimotorigen IL-14. Nachdem er seine jetzige Ehefrau kennen lernte und es sich dann herausstellte, dass seine künftige Schwiegermutter im Westen lebt, sollte er sich von seiner Angebeteten trennen. Da er dies ablehnte, wurde ihm die Laufbahn als Pilot in der DDR - Armee verbaut.  Heinz-Dieter Kallbach wechselte daraufhin 1961 als Pilot zur Deutsche Lufthansa (DDR) (später Interflug). Bei der Fluggesellschaft der DDR Interflug wurde Kallbach leitender  Instrukteur für die Antonow An-24 und wurde später sogar Chefausbilder für die viermotorige Iljuschin Il-18. Eben mit dieser Maschine flog er im Auftrag der DDR mit Hilfsgütern für Entwicklungsländer um die ganze Welt. Nach der Wende, was auch das Ende der Interflug bedeutete, heuerte er ab November 1990 als Pilot bei dem Charterflieger Germania an und flog Urlauber an die Strände der Welt.  Im Jahr 2005 flog er im Auftrag der Fluggesellschaft Germania für den Billigflieger Hapag-Lloyd Express. Er hatte die Wende gut überstanden aber er hatte eines nicht gelernt. Zur DDR-Zeit durfte man sich über die Arbeitgeber beschweren aber nicht über die Regierung. Nach der Wende war es umgekehrt. Nachdem Heinz-Dieter Kallbach 2005 in einem Interview mit der Zeitschrift Focus die

hohe Arbeitsbelastung von einzelnen Piloten bei Billigairlines rügte, wurde er von der Fluggesellschaft Germania kurze Zeit später vor seinem regulärem Ruhestand vom Dienst suspendiert. Seine Sorge um die Sicherheit im Flugverkehr  und die damit verbundene Gefahrenabwehr kostet ihn seinen Arbeitsplatz. Sicherheit war nicht gefragt. Da zählte auch nicht mehr, dass er kurze Zeit vorher noch als "Held" gefeiert wurde, weil er durch Einsatz körperlicher Gewalt verhindern konnte, dass ein Selbstmörder Gewalt über die Maschine erlangen konnte und somit hatte er vielen Menschen das Leben gerettete.