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Betrugsmasche.
Betrügerisches Gewinnspiel - Festnahmen und Durchsuchungen in Berlin,
Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Werder(Havel): -
Heute am 22.06.2010, ab 6 Uhr haben Ermittler des Dezernates für organisierte
Wirtschaftskriminalität beim Berliner Landeskriminalamt unter Federführung
der Berliner Staatsanwaltschaft wegen betrügerischer Gewinnspiel-Angebote
umfangreiche Durchsuchungen und mehrere Festnahmen in Berlin,
Nordrhein-Westfalen und Bayern durchgeführt.
Durchsucht haben die 161 Beamten aus Berlin sowie 19 Ermittler aus Bayern
und Nordrhein-Westfalen 13 Wohnungen und Einfamilienhäuser, 12 Callcenter
und andere Firmen sowie eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei.
Zudem haben sie Haftbefehle gegen fünf Personen sowie dingliche Arreste
vollstreckt. Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um
deutsche Staatsangehörige im Alter von 42, 39, 27, 69 und 25 Jahren.
Die Ermittlungen richten sich gegen Verantwortliche eines als Dienstleister
für Gewinnspielanbieter auftretenden Charlottenburger Unternehmens, das nach
gegenwärtigem Ermittlungsstand seit seiner Gründung im März 2009 unter
Ausnutzung des automatisierten Lastschriftsystems weit über Hunderttausend
Personen aus dem gesamten Bundesgebiet betrügerisch um monatliche Beträge
von zwischen 39, Euro und 59,- Euro für die Teilnahme an
Gratis-Gewinnspielen, überwiegend mit Ramsch-Charakter, erleichtert haben
und dadurch Gewinne in Höhe von mindestens einer Million Euro erzielt haben
soll. Gegenstand der Haftbefehle sind über 250.000 Fälle des gewerbs- und
bandenmäßigen Betruges, wobei bislang aber nur ein vergleichsweise kleiner
Teil der Geschädigten namhaft gemacht werden konnte.
Die mutmaßlichen Betrugserlöse des Unternehmens liegen mit großer
Wahrscheinlichkeit erheblich über der Arrestsumme von über zwei Millionen
Euro. Tatplangemäß soll das Charlottenburger Unternehmen mit verschiedenen sich
als Anbieter von Gewinnspielen ausgebenden Callcentern mit Sitz in
Nordrhein-Westfalen und in der Türkei mit Namen wie „Spiel Total 2009“,
„Deutsche Gewinnbank“, „Winn Club“ und „GewinnExpress 24“ zusammengearbeitet
haben. Die Callcenter sollen dem Charlottenburger Unternehmen tatplangemäß in
erheblichem Umfang Personal- und Bankdaten vermeintlicher Kunden zur
Verfügung
 gestellt haben, die sie aus bislang im einzelnen nicht bekannten
Datensammlungen unbefugt übernommen oder im Verlauf aufgedrängter Telefonate
durch geschickte Gesprächsführung erlangt haben sollen. Bei den „Kunden“
handelt es sich in der Regel um ältere, mit dem Lastschriftverfahren wenig
vertraute und insoweit unbeholfene Menschen, die teilweise aufgrund ihres
gesundheitlichen Zustandes nicht mehr handlungsfähig und in einigen Fällen
sogar längst verstorben waren. Zudem soll den Beschuldigten bekannt gewesen
sein, dass die vermeintlichen Kunden bestenfalls unvollständig und
irreführend über die Spielbedingungen informiert worden waren.
An die „Kunden“ soll das Charlottenburger Unternehmen sodann im Namen der
gewinnspielanbietenden Callcenter Serienbriefe mit weitestgehend
einheitlichem Layout versandt haben, in denen den Geschädigten die Teilnahme
an einer mehrmonatigen Gewinnspiel-Vereinbarung mit „mindestens 200 der
besten Gewinnspiele Deutschlands“ vorgespiegelt wurde. Anschließend sollen
die Beschuldigten für das Charlottenburger Unternehmen im
Lastschrifteinziehungsverfahren solange monatliche Beträge zwischen 39,-
Euro und 59,- Euro von den Konten der vermeintlichen Kunden abgebucht haben,
bis diese sich mit Kündigungen, Widersprüchen und Rückbuchungen zur Wehr
setzten. Zum Teil wurden Widersprüche ignoriert und mit der Einschaltung von
Inkassobüros zur Beitreibung beantwortet.
Die Ermittlungen richten sich zudem gegen die Betreiber des Gewinnspiels
KLEEBLATT4U, bei dem in ähnlicher Weise von Berlin aus bundesweit
vorgegangen und ein Inkassounternehmen und die nun durchsuchte
Anwaltskanzlei mit der Einziehung der Monatsbeiträge beauftragt worden sein
soll.
Die Ermittlungen dauern an. |