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Internetbetrüger im Chatroom.
Partner gesucht –
Betrüger gefunden.
Werder(Havel): -
Es beginnt mit einem Flirt im Internet. Der oder die Unbekannte ist
aufmerksam, hat eine interessante Lebensgeschichte und scheinbar nur einen
Wunsch:
Das Finden der wahren großen Liebe. Oft vergehen Monate bis sie dann
ihr wahres Gesicht zeigen: Ein persönliches Treffen wird von einer
Geldüberweisung für die Visumserteilung oder den Kauf eines Flugtickets
abhängig gemacht. Und in vielen Fällen bekommen die Betrüger den geforderten
Betrag, denn die verliebten Opfer machen alles für die vermeintlich große
Liebe. Um über diese neue Betrugsform des „Scamming“ (scam, engl.
Bezeichnung für Betrug) aufzuklären, hat die Polizei auf der Internetseite
www.polizei-beratung.de ein spezielles Informationsangebot bereitgestellt,
das auch andere Formen des Vorauszahlungsbetruges (bspw. sog.
„Nigeria-Briefe“) umfasst.
„Grundsätzlich sollte man Personen, die man nicht persönlich kennen gelernt
oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen
eingehen“, sagt Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen
Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von
Baden-Württemberg.
„Im Internet gibt es viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer
Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. Misstrauen ist im Internet aber
immer angebracht. Besonders perfide ist das so genannte Romance- oder
Love-Scamming, bei dem das Vertrauen der Opfer schamlos ausgenutzt wird.
Neben finanziellen Verlusten erleiden die Opfer aber einen noch viel
größeren Schaden, der ihr Leben und vor allem ihr Verhältnis zu anderen
Menschen nachhaltig verändert: den Vertrauensverlust in ihre Mitmenschen.“

Die Betrüger, auch Scammer genannt, schaffen es schnell, sich im Alltag
ihrer verliebten Opfer unverzichtbar zu machen – sie überhäufen sie mit
Mails und Telefonanrufen. So spielen sie den Betroffenen über viele Wochen
und Monate vor, mit ihnen eine ernsthafte Beziehung eingehen zu wollen. Ein
persönliches Treffen zwischen den „Partnern“ gibt es nie. Das Vorgehen ist
immer gleich. Auf einer Geschäftsreise nach Westafrika geben die Scammer
vor, in Geldnöte zu geraten. Nur das Opfer kann dann noch helfen, indem es
per Bargeldtransfer Geld überweist. Dabei scheuen sich die Scammer nicht,
erpresserische Methoden anzuwenden – in vielen Fällen wird sogar mit
Selbstmord gedroht. Oft bitten die Betrüger ihre Opfer auch, Schecks in
Deutschland einzulösen. Dass diese gefälscht sind, ahnen die Betroffenen
nicht. Die Folge kann eine Strafanzeige der Bank wegen Betrugs sein.
Love-Scammer sind nicht leicht zu erkennen. Anhaltspunkte sind:
Die Kontaktaufnahme: Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an
Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum
Chat dient als Lockmittel.
Die Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch.
Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.
Die Bilder: Meist finden sich im Internet Bilder in sehr schlechter und
unscharfer Qualität, da sie illegal erlangt wurden. Ausnahme: Scamm-Frauen
locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht
bekleidet zu sehen sind.
Der Inhalt der Mail: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten
Kontakt mit Liebesschwüren. Auch seriös wirkende Mails sollen das Interesse
wecken. Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys,
ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt meistens
eine Rolle.
Verbindungen nach Westafrika / Russland / Südostasien: Ob Geschäftsreise
oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach
Nigeria, Ghana usw. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen /
südostasiatischen / südamerikanischen Ländern.
Bitte um Geld / Visum / Paket- oder Briefversand / gemeinsames Konto: Es
gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu
schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in
Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Stark verbreitet ist der
Wunsch nach einem Visum für Deutschland.

Auch unglaubliche Angebote im Internet sollten immer misstrauisch machen.
Vor allem solche wie die unter dem Namen Nigeria-Mails bekannten
Geldversprechen. Dabei müssen die Empfänger vermeintlich nur einige tausend
Euro an Gebühren überweisen, um an einen noch größeren Geldbetrag zu kommen.
Auch bei der Job- und Wohnungssuche ist man vor Scamming nicht gefeit. Immer
wieder schaffen es die Betrüger, ihre Opfer dazu zu bringen, ihnen Geld zu
überweisen.
Beliebt sind auch Schecks, mit denen die Betrüger beispielsweise ein privat
angebotenes Auto bezahlen. Diese sind auf einen höheren Betrag ausgestellt,
als der Wagen kostet. Deswegen bitten sie, den Differenzbetrag per
Bargeldtransfer an sie zurück zu überweisen. Der Scheck platzt allerdings
nach einigen Tagen – das Geld sehen die Opfer nie wieder. |