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     HIZ - Artikel  vom  01. Juni  2010                 

Suchgrabungen nach KZ-Gräber.
Beginn neuer Suchgrabungen nach Massengrab jüdischer KZ-Opfer in Jamlitz
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Werder(Havel)/Jamlitz:
- Heute am 31.05.2010 beginnen in Jamlitz (Landkreis Dahme-Spreewald) erneut Suchgrabungen nach einem Massengrab ermordeter jüdischer Häftlinge aus dem Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen. Die Gebeine der 753 von der SS Anfang Februar 1945 erschossenen Frauen und Männer konnten trotz jahrelanger Suche bisher nicht gefunden werden. Die jetzige Verdachtsfläche von rund 5000 Quadratmetern berührt zwei Grundstücke, deren Eigentümer den Suchgrabungen zugestimmt haben. Daraufhin waren in den vergangenen Wochen zur Vorbereitung der Grabungen unter anderem Rodungsarbeiten durchgeführt worden.  Gemeinsam mit allen Beteiligten hofft Innenminister Rainer Speer, dass die erneute Suche Klarheit bringt. „Keiner weiß sicher, ob wir das Grab diesmal finden. Die Grabungen auf dem Nachbargrundstück im vergangenen Jahr haben aber gezeigt, dass sich hier die beiden so genannten Schonungsblocks befanden, in deren unmittelbarer Umgebung das Grab sein könnte. Es ist unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen, hier Gewissheit zu schaffen“, erklärte Speer. Dazu wurde durch das Innenministerium wie schon im Vorjahr das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) mit der Untersuchung der Grundstücksflächen beauftragt. Für die Suchgrabungen sind insgesamt drei Wochen vorgesehen. Bei der bisher unentdeckten

Grabstelle handelt es sich um das vermutlich größte Massengrab jüdischer NS-Opfer außerhalb der KZ-Hauptlager. Die Häftlinge waren am 2. Februar 1945 bei der Räumung des KZ-Außenlagers Lieberose von der SS erschossen worden. Einen Tag später waren weitere 589 ebenfalls kranke, nicht gehfähige Häftlinge des Lagers ermordet worden. Ihre Gebeine hatte man 1958 bzw. 1971 bei Bauarbeiten in einer Kiesgrube bei Staakow gefunden. Hier wurde im Juni 2009 ein jüdischer Friedhof eingeweiht. Nach der mehrjährigen Absuche von etwa 20 so genannten Verdachtsflächen in der Region hatten sich zuletzt die Hoffnungen im vergangenen Jahr auf ein Grundstück in Jamlitz konzentriert, das als eine Hauptverdachtsfläche galt. Nach gründlicher Vorbereitung, auch unter Beteiligung des Zentralrates der Juden in Deutschland und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, war im Frühjahr 2009 das Grundstück durch Experten des BLDAM akribisch abgesucht worden. Die Suchgrabungen führten nicht zu dem Massengrab, brachten aber genauere Erkenntnisse zur Lage der Schonungsblöcke des früheren KZ-Außenlagers, die sich danach offenbar auch auf die jetzt abzusuchenden Flächen erstreckten.