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Polizei Brandenburg 2020
Speer: „Polizei bleibt in der Fläche stark“
Kommissionsbericht vorgestellt – Führungsstrukturen werden schlanker. "Ade
Innere Sicherheit"
Werder(Havel)/Potsdam: - Mit einer umfassenden Reform der Polizeistruktur
will Innenminister Rainer Speer die Sicherheit der Bürger unter sich stark
verändernden Rahmenbedingungen sicherstellen. Speer verwies bei der
Vorstellung
des Berichtes der von ihm eingesetzten Kommission‚ Polizei
Brandenburg 2020’ am Mittwoch in Potsdam auf die anhaltend rückläufige
Einwohnerzahl des Landes, den geplanten Abbau von Stellen in der
Landesverwaltung sowie die abnehmenden finanziellen Möglichkeiten des
Landes. Der Kommissionsbericht liefere dafür eine entscheidende Grundlage.
Die Zahl der Polizisten wird bis zum Jahr 2020 auf rund 7.000 verringert.
„Wir werden dann mehr Polizei haben als vergleichbare Flächenländer heute“,
betonte Speer. Er hoffe auf eine zügige Begleitung der Reform durch den
Landtag.
„Diese Reform ist kein Angriff auf die innere Sicherheit im Land, sondern
das Gegenteil: Sie gewährleistet die innere Sicherheit auch in Zukunft.
Sicherheit für die Bürger kann es nur geben, wenn die Polizei an der Basis
stark bleibt. Sie muss für die Bürger sichtbar in Erscheinung treten. Das
betrifft Streifendienst, Revierpolizei und Funkstreifenwagen“, betonte
Speer. Unter den gegebenen Voraussetzungen müsse deshalb die gesamte
Struktur darüber konsequent verschlankt und abgebaut werden. Anders sind
Basispräsenz und hohe Einsatzfähigkeit der Polizei vor Ort nicht zu
gewährleisten. Speer verwies zugleich darauf, dass der Kommissi-onsbericht
keine Standortentscheidungen enthalten. Sein Ziel sei es aber, zügig
Klarheit über die Standorte zu schaffen.
„Die Kommission ließ sich von dem Ziel leiten, auch zukünftig in allen
Regionen des Landes die Sicherheit der Bürger wirksam zu gewährleisten und
dazu landesweit eine wahrnehmbare Polizeipräsenz zu erhalten“, sagte der
Vorsitzende der Kommission, Hartmut Bosch. Die erste Empfehlung lautet
deshalb, den Streifendienst der Polizei auch weiterhin im bisherigen Umfang
zu gewährleisten. Derzeit sind rund 1.870 Polizisten im Streifendienst
tätig. Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Kommission beim Revierdienst.
Derzeit gibt es in Brandenburg 549 Revierpolizisten (Repo). Der Vorschlag
der Kommission lautet, das gute Betreuungsverhältnis zwischen Bürgern und ‚Repo’
im ländlichen Raum trotz deutlichen Bevölkerungsrückgangs auf dem
gegenwärtigen Niveau zu halten. Drittens sollen – so wie jetzt – auch
künftig je nach Lage zwischen 60 und 180 Einsatzfahrzeuge der Polizei im
ganzen Land unterwegs sein. Zusammengefasst laufen diese Vorschläge
angesichts zurückgehender Personalzahlen auf eine Stärkung der „Basis“ der
brandenburgischen Polizei zu Lasten der „Führung“ hinaus, sagte Bosch.
Diese Basispräsenz in der Fläche sei bei weniger Personal nur zu
gewährleisten, wenn es im gesamten Aufbau der Polizei zu drastischen
Veränderungen insbesondere bei Führung und Struktur komme, betonte Bosch.
„Alles, was bei der Struktur zuviel ist, schwächt letztlich die Präsenz in
der Fläche“, betonte Bosch. Die Kommission schlägt daher vor, die Struktur
der Polizei entscheidend zu straffen und zu verschlanken. In Zukunft soll es
nur noch ein Landespolizeipräsidium geben, in dem die bestehenden zwei
Präsidien, das Landeskriminalamt (LKA), die Landeseinsatzeinheit (LESE) und
Teile der Aufgaben der Polizeiabteilung im Innenministerium zusammengeführt
werden. Der umfassende Zugriff auf polizeiliche Einsatzkräfte wie
Bereitschaftspolizei, Hubschrauberstaffel und Spezialeinheiten wird so unter
einheitlicher Verantwortung des Landespolizeipräsidenten sichergestellt. Die
bestehenden 15 Polizei-Schutzbereiche sollen zu vier Polizeidirektionen
zusammengeführt werden. Mit dieser Maßnahme sollen u.a. die
Zuständigkeitsbereiche von Polizei, Landgerichten und Staatsanwaltschaften
in Brandenburg in Übereinstimmung gebracht werden. Bestehende „Brüche“ in
der Kriminalitätsbekämpfung, die auf unterschiedliche Strukturen von
Polizei und Justiz zurückzuführen sind, werden so beseitigt.
Die Anzahl der Polizeiwachen im Land – derzeit 50 – soll nach den
Empfehlungen der Kommission deutlich verringert werden: Vorgeschlagen werden
15 Wachen, d.h. eine in jedem der bisherigen Schutzbereiche. Zusätzliche
Wachen sollen nur in Ausnahmefällen vorgesehen werden. Die Polizeiwachen
führen den Wach- und Wechseldienst (WWD) sowie den Revierdienst in ihrem
Bereich. Der Schwerpunkt der Bürgerkontakte vor Ort wird allerdings über den
Revierdienst und die Polizeistreifen gewährleistet. Unterhalb der Wachen
regt die Kommission die Einrichtung von dezentralen, nicht durchgehend
besetzten Polizeiposten als Anlaufstelle von Streifendienst und
Revierpolizei an.
Im Zuge der Neustrukturierung der Polizei soll auch die Aus- und Fortbildung
einen deutlichen höheren Stellenwert erhalten. Einstellungen und Ausbildung
im Polizeivollzugsdienst soll es nach dem Vorschlag der Kommission bis 2020
ausschließlich im Bereich des gehobenen Dienstes geben. Vorgesehen sind
durchschnittlich 150 Neueinstellungen pro Jahr, davon 125 Neueinstellungen
für den Polizeivollzugsdienst. Ferner sind jährlich 100 Plätze für die
Aufstiegsausbildung vom mittleren in den gehobenen Polizeivollzugsdienst
geplant.
HIZ-Kommentar: Bereits jetzt bittet die Polizei bei der
Verbrechensbekämpfung um die Mithilfe der Bevölkerung. Dies wird sich nach
dem Stellenabbau bei der Polizei noch verstärken. Wie bereits jetzt schon
werden in Zukunft noch viel mehr Problembezirke eine "Polizeifreie Zone"
werden. Aus der Vergangenheit bekannt, wird keine "Innendienststelle"
zugunsten einer "Außendienststelle" abgebaut werden. Mag auch der ernsthafte
Wille durch die Politik vorhanden sein, so lässt sich die Polizeiführung das
Heft nicht aus der Hand nehmen. Wie in jeder Verwaltung, so wird auch bei
der Polizei der "Verwaltungskopf" weiter wachsen. Es wird ein
"Beförderungsstau" entstehen und wo lassen sich besser dafür Planstellen
schaffen als im Verwaltungsbereich, auch wenn es nur der Stellvertreter vom
Stellvertreter des Stellvertreters ist.
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