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     HIZ - Artikel  vom  14. Oktober 2011          

Psychische Störungen ernst nehmen.
Mehr Aufmerksamkeit und Toleranz im Um-gang mit Menschen, die psychische Proble-me haben.
Werder(Havel)/Potsdam:
– Mehr Aufmerksamkeit und Toleranz im Umgang mit Menschen, die psychische Probleme haben, fordert Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) am heutigen „Internationalen Tag der Seelischen Gesundheit“. „Ängste und Depressionen sind keine Schande, sondern verbreitete psychische Störungen. Betroffene Menschen und ihre Angehörige dürfen nicht stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Sie brauchen Verständnis und Hilfen“, sagte Tack. Statistisch gesehen erkrankt jede zweite Frau und jeder dritte Mann im Laufe des Lebens an einer psychischen Störung. Vielfach liegen die Ursachen für psychische Erkrankungen in gesellschaftlichen Veränderungen, erhöhtem Leistungsdruck, Sorge um den Arbeitsplatz und anderen existenziellen Unsicherheiten. Tack verweist darauf, dass es vielen Betroffenen schwer fällt, sich einzugestehen, dass sie an einer psychischen Störung leiden. Und oft werden aus Scham Betreuungsangebote und gezielte Hilfen zu spät oder gar nicht in Anspruch genommen. „Das ist umso bedauerlicher, als heute in vielen Fällen durch effektive Therapien geholfen werden kann“, so die Ministerin. Ein erster Anlaufpunkt sollte der Hausarzt sein. Doch stehen auch anonyme Hilfsmöglichkeiten zur Verfügung. Für ein persönliches oder telefonisches Gespräch, unter Wahrung der Anonymität und - in jedem Fall kostenlos - stehen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten die sozialpsychiatrischen Dienste der Gesundheitsämter und die Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch Kranke zur Verfügung. Psychische Erkrankungen zählen in den Ländern der EU zu den Hauptursachen für Frühverrentung und verminderte Erwerbsfähigkeit. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankheiten des Verdauungssystems sind psychische und Verhaltensstörungen die Krankheitsgruppe mit den dritthöchsten volkswirtschaftlichen Kosten in Deutschland. Insbesondere Depressionen und Ängste weisen in den Gesundheitsstatistiken eine ansteigende Tendenz auf. Ein Verzeichnis dieser Beratungsstellen und weitere Hilfsangebote enthält der auf der Internetseite des Gesundheitsministerium eingestellte „Wegweiser Psychiatrie“.