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Bundespolizei.
Europaweiter Schlag gegen eine vietnamesische
Schleußerorganisation.
Werder(Havel)/Berlin: - Der
Polizeipräsident in Berlin und Bundespolizeidirektion Berlin
Im Rahmen eines durch EUROPOL koordinierten internationalen Polizeieinsatzes
"common action day" ist den Strafverfolgungsbehörden ein Schlag gegen eine
international agierende vietnamesische
Schleußerorganisation gelungen. Dazu
haben die Ermittler am Morgen des 22. Juni 2010 zeitgleich Einsatzmaßnahmen
in Deutschland, Frankreich und Ungarn durchgeführt. Erstmals war zuvor auch
auf Justizebene eine Koordinierung durch EUROJUST erfolgt.
Teil des "common action day" war auch ein seit Februar 2010 von der
Staatsanwaltschaft Berlin (Abteilung zur Bekämpfung der Organisierten
Kriminalität) geführtes Ermittlungsverfahren gegen eine vietnamesische
Schleußerorganisation. Bei dem Großeinsatz konnten die Beamten in Dresden
einen und in Berlin vier Haftbefehle vollstrecken. Die Beschuldigten sollen
nach bisherigen Kenntnissen 60 Landsleute über Tschechien nach Deutschland
weiter nach Frankreich und Großbritannien geschleust haben.
Kurz nach 6 Uhr haben Beamte der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Schleußer
insgesamt neun Objekte in Berlin durchsucht. Schwerpunkt der Durchsuchungen
waren die Bezirke Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Neukölln.
Neben diversen beweiserheblichen Unterlagen konnten dabei auch mehrere
Computer beschlagnahmt werden. In den Durchsuchungsobjekten trafen die
Beamten sechs unerlaubt aufhältige Personen an. Die Ermittlungen richten
sich gegen mehr als zwölf Tatverdächtige. Die 27-jährige vietnamesische
mutmaßliche Haupttäterin wurde vor zwei Jahren selbst nach Deutschland
geschleust. Mit den Schleusungserlösen baute sie sich ein Haus in Vietnam im
Wert von ca. 105.000,- Euro, was für dortige Verhältnisse
(Durchschnittseinkommen von ca. 500 Euro im Jahr) ein Vermögen darstellt.
Bei den Taten handelt es sich um so genannte Garantieschleusungen, bei denen
Menschen so oft geschleust werden, bis sie ihr Zielland erreichen. Dabei
führt der Weg von Vietnam mit dem Flugzeug nach Moskau oder Tschechien, von
dort mit dem Auto nach Berlin. In der Hauptstadt erfolgt oft die
 Zwischenunterbringung in angemieteten Unterkünften. Im Einzellfall hätten
die Personen durch Verkauf von illegalen Zigaretten ihren Weitertransport
nach Westen finanzieren müssen. Von Berlin sind die Personen über Frankreich
nach Großbritannien gebracht worden. Großbritannien wird für viele
Vietnamesen als Traumland angesehen, da dort viele Asiaten leben und sich
mancher Gewinnaussichten durch den Anbau von Cannabis erhofft. Eine
Schleusung von Vietnam nach Großbritannien kann zwischen einigen Tagen und
mehreren Wochen dauern.
Die Kosten für eine Garantieschleusung liegen bei bis zu 30.000,- Euro.
Familien verkaufen dafür im Heimatland oft Haus und Hof und verschulden
sich. Dafür erhalten sie von den Schleusern die Garantie, dass die Person im
Zielland auch ankommt.
An dem heutigen Großeinsatz in Deutschland waren 100 Beamte der
Bundespolizei und der Berliner Polizei beteiligt.
Nach ersten Informationen erfolgten bei den zeitgleich durchgeführten
Maßnahmen in Frankreich 14 Festnahmen. Bei den Durchsuchungen in 19 Objekten
konnten 60 Geschleuste aufgegriffen werden. In Ungarn vollzogen die Kollegen
zehn Festnahmen und durchsuchten 16 Objekte. |