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     HIZ - Artikel  vom  14 April  2010                 

Unfall.
Müllkutscher zerstört denkmalgeschütztes Wahrzeichen.
Werder(Havel)/Stadtroda.:
Das letzte Stadtrodaer Stadttor existiert nach einem Lkw-Unfall nicht mehr. Zum Glück wurde niemand verletzt. Die Stadtrodaer sind tief betroffen vom Einsturz des letzten Stadttores. Das Rote Tor ist neben der geschichtsträchtigen Klosterruine das wichtigste Wahrzeichen der Stadt. Doch das Wahrzeichen von dem staatlich anerkannter Erholungsort Stadtroda in Thüringen - das Rote Tor aus dem Spätmittelalter - liegt jetzt in Trümmern. Ein Müllwagen hat das gerade erst frisch restaurierte Stadttor bei einem Wendemanöver gerammt und in seine Einzelteile zerlegt. Es steht kein Stein mehr auf dem anderen", sagte eine Polizeisprecherin. Der Schaden wird auf etwa eine halbe Million Euro geschätzt, beim Fahrzeug auf 15.000 Euro. Der denkmalgeschützte, gut 550 Jahre alte Bau aus rotem Sandstein, sollte an diesem Donnerstag nach sehr aufwendiger Sanierung offiziell feierlich der Öffentlichkeit wieder übergeben werden. "Das hat sich jetzt wohl erledigt", sagte Bürgermeister Harald Kramer (CDU). Das Tor werde aber auf alle Fälle wieder aufgebaut. "Stadtroda ist ohne das Rote Tor nicht vorstellbar." Es ziert das Wappen des 6000-Einwohner-Städtchens östlich von Jena. Viele reagierten geschockt auf die Nachricht, dass eine Müllfahrzeug das Tor gerammt und zum Einsturz gebracht hatte. Laut Polizei hatte der 55-jährige Fahrer des Müllwagens auf der abschüssigen Gasse mit historischem Kopfsteinpflaster wegen

eines Fahrfehlers die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Der Fahrer blieb bei dem Unfall unverletzt. Stadtarchivar Utz Möbius schaute betrübt und belämmert auf die Trümmer. Eines der wenigen historischen Zeugnisse der Kurstadt Stadtroda sei verloren gegangen. Bei Stadtführungen habe das Rote Tor immer besonderen Spaß bereitet und viele Besucher wollten immer wieder die Sage von der Rodschen Möhre aus dem Jahre 1450 anhören. Damals wollten die Rodschen das Tor vor den heranrückenden Truppen des Grafen Heinrich schließen, fanden aber den Schlüssel nicht. Kurzerhand musste eine Möhre (Mohrrübe) als Torriegel herhalten. Doch eine heimige hungrige Ziege fraß die Rübe aus dem Riegelhalter und der Feind konnte so ungehindert in Stadtroda eindringen. Seit dieser Zeit müssen sich die Rodaer auch als Möhrenschaber necken lassen. Nun wird ein neuer Spott hinzukommen.