|
Spremberger Kripo-Chef
unter Stasiverdacht.
Aberkennung
des Beamtenverhältnisses - Verfahren zur Rücknahme der Ernennung zum
Beamten eingeleitet.
Werder(Havel)/Potsdam: – Im
Fall des bereits seit Anfang März vom Dienst suspendierten Spremberger
Kripo-Chefs hat das Innenministerium jetzt ein Verfahren zur Rücknahme der
Ernennung zum Beamten eingeleitet. Das Ziel ist, den betreffenden Beamten
aus dem Landesdienst zu entfernen. Das teilte das
Innenministerium heute in
Potsdam mit. „Es besteht der begründete Verdacht, dass der Beamte bei seiner
Übernahme in den Landesdienst Anfang der 90er Jahre keine vollständig
wahrheitsgemäßen Angaben zu seiner Tätigkeit für die DDR-Staatssicherheit
gemacht und seinen Dienstherrn damit arglistig getäuscht hat“, sagte der
Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, zur Begründung.
Der betreffende Beamte hatte damals eine rund einjährige
hauptamtliche Tätigkeit für das ehemalige Ministerium für Staatsicherheit
(MfS) eingeräumt. Er hatte jedoch eine wissentliche IM-Tätigkeit für das MfS
stets bestritten und zudem erklärt, keine Verpflichtungserklärung zur
inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS unterschrieben zu haben. Seit den
90er Jahren war dem Ministerium eine Karteikarte zu dem Beamten bekannt.
Diese allein reicht für einen zweifelsfreien Nachweis einer inoffiziellen
Tätigkeit für die DDR-Staatsicherheit nicht aus. Weitere Unterlagen, etwa
eine Verpflichtungserklärung oder Berichte, waren dagegen nicht bekannt.
Durch Recherchen der „Lausitzer Rundschau“ steht der Beamte seit dem
Sommer 2009 im Verdacht, entgegen seinen bisherigen Erklärungen mehrere
Jahre lang doch als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit tätig
gewesen zu sein. Nach einem entsprechenden Hinweis leitete das
Innenministerium in diesem Frühjahr auf Entscheidung von Innenminister
Dietmar Woidke eine Überprüfung der Vorwürfe ein. Am 3. März wurde dem
Beamten bis zur abschließenden Klärung des Sachverhalts die Führung der
Dienstgeschäfte untersagt. Das rbb-Nachrichtenmagazin
„Brandenburg aktuell“ berichtete gestern, dass zu dem betreffenden Vorgang
bei der Stasi-Unterlagen-Behörde jetzt sowohl eine Personal- als auch eine
Berichtsakte aufgefunden worden seien. Das Material soll mehr als 200 Seiten
umfassen. Unter anderem zeigte der rbb die handschriftliche
IM-Verpflichtungserklärung des betreffenden Beamten mit dem gewählten
Decknamen „Andreas Rosenau“. Die dem Ministerium bekannte Karteikarte stimmt
mit diesen Angaben überein. „Das Innenministerium
muss nunmehr davon ausgehen, dass der Beamte entgegen seinen Darstellungen
langjährig als IM der DDR-Staatssicherheit tätig gewesen ist. Dem Beamten
wird vorgeworfen, seinem Dienstherrn über diesen Sachverhalt bis heute die
Unwahrheit gesagt zu haben. Einen solchen Umgang kann sich das Land von
einem Beamten nicht bieten lassen. Das jetzt eingeleitete Verfahren zur
Rücknahme der Ernennung ist die notwendige Konsequenz aus diesem
Sachverhalt“, sagte Decker. Dem Beamten werde eine angemessene Frist
eingeräumt, sich zu den Vorwürfen in der Sache und zum eingeleiteten
Verfahren zu äußern. |