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Eine nicht ganz ernste
Geschichte.
Wie kam die Fähre von Schwielowsee - Caputh zu ihrem Namen "Tussy"
Werder(Havel): - Vor langer Zeit im Jahre 1968, als die DDR noch bestand
ereignete sich folgendes. Die Fähre war Staatseigentum und wurde von
einem Kapitän und seinem Matrosen betrieben. An einem kalten Winterabend
begab sich eben dieser Matrose in eine bekannte Gaststätte in Caputh, um
einen kräftigen Rum zu sich zu nehmen. Aus einem wurden mehrere. Gegenüber
an einem Tisch saß eine allein stehende junge Dame von ca. 23 Jahren, die
ebenfalls dem Alkohol kräftig zusprach. Zur fortgeschrittener Stunde kam man
sich langsam näher und fing an, miteinander zu plaudern. Die junge Dame war
in der derzeitigen DDR recht unglücklich und wollte unbedingt in den
goldenen Westen. Dort sollte es nach der Fernsehwerbung zu urteilen viel
besser sein als in der DDR. Da lachte sogar die geplagte Hausfrau bei ihrem
täglichen Hausputz. Alles ging von selber, so zeigte es jedenfalls die TV-Werbung. Da
hatte der Mattrose eine rettende Idee. Er bot seine uneingeschränkte Hilfe
an. Man verabredete sich für den nächsten Abend an gleicher Stelle, da der
Matrose vorher noch einige Vorbereitungen treffen wollte. Am nächsten Abend
traf man sich zur verabredeter Zeit wieder in der gleichen Gaststätte. Der
Matrose bot an, die Dame als "Blinder Passagier" mit seinem Schiff in den
Westen zu bringen. Die Dame war hellauf begeistert. Am Abend darauf, gegen
24.00 Uhr, sollte es los gehen. Sie sollte nur leichtes Gepäck mitbringen
und mit keinem darüber reden. Republikflucht wurde hart bestraft. Wiederum
erschien die Dame tags danach, diesmal mit leichtem Handgepäck für die Reise
in den ersehnten Westen. Der Matrose holte sie nach draußen auf einen
Parkplatz, wo sein Trabant geparkt war. Falls die illegale Ausreise
auffallen sollte und die Dame, das zur Flucht missbrauchte Schiff bei
anschließender Vernehmung durch die Stasi nicht verraten konnte, einigte man
sich auf eine Augenbinde. So wurden die Augen der Dame mit einem Stück Tuch
verbunden. Jetzt begann die Fahrt zum Schiff. Nach ca. zwei Stunden
Fahrzeit quer durch Brandenburg kam man endlich am Ziel an. Der Matrose half
der fluchtwilligen Dame, die immer noch die Augenbinde trug beim Aussteigen
aus dem Fahrzeug und führte sie über eine Gangway zum Schiff. Dort
angekommen führte er sie eine steile Treppe hinab durch den Maschinenraum in
die separate fensterlose Taukammer, wo er für sie ein Nachtlager vorbereitet
hatte. Jetzt erst durfte sie ihre Augenbinde abnehmen. Die Dame wurde noch
einmal von dem Matrosen eindringlich belehrt, dass sie sich ja nicht
bemerkbar machen sollte sonst würde die Staatssicherheit aufkreuzen und
beide abführen. Bautzen wäre dann für beide sicher. Er würde die Kammertür
hinter sich verschließen und den Schlüssel immer bei sich tragen, so dass
keine andere Person in diesen Raum kommen könnte. Für die Notdurft stellte
er einen Eimer parat, den er täglich leeren wolle. Ebenso wolle er ihr
täglich Verpflegung bringen. Seine Dienste wolle er aber jedes mal mit
körperlicher Liebe vergütet
 wissen. Da die Dame unbedingt in den Westen
ausreisen wollte, stimmte sie den etwas merkwürdigen Bedingungen
uneingeschränkt zu. Sie bekam pünktlich drei mal am Tage ihre Essen und
bezahlte jedes mal mit körperlicher Liebe. So ging es bereits mehrere
Wochen. Bei Tage fuhr das Schiff, das hörte man an den donnernden
Dieselmotoren und nachts legte es irgendwo an. Am
nächsten Tag ging es wieder weiter. Nach ihrer Berechnung müsste das Schiff
bald in westliche Gewässer einlaufen. Nach weitern zwei Wochen vergaß der
Matrose einmal, die Tür zur Kabelkammer abzuschließen. Nachts schlich sich
die Dame trotz strengsten Verbotes ganz heimlich an Deck, um nachzusehen ob
sie schon im goldenen Westen waren. Sie wollte erkunden, ob westliche Schiffe in der
Nähe fuhren. An Deck stieß sie fast mit dem Kapitän zusammen, der zufällig
zu dieser Nachtzeit an Deck war um die Festmacherleinen zu kontrollieren. Er
hielt die junge Dame fest und fragte ebenfalls erschrocken, was sie zu
dieser Nachzeit hier auf seiner Fähre in Caputh wolle. Jetzt brach sie zusammen und
erzählte dem Kapitän ihre ganze Geschichte. Von der geplanten Flucht in den
Westen, dem
liebesüchtigen Matrosen, der sie täglich besuchte und dem Versteck in der Kabelammer. Da fing der
Kapitän an laut zu lachen und sagte: "Du dumme Tussy, wir sind hier auf der
Fähre zwischen Geltow und Caputh". Zur Erinnerung an diese Begebenheit wurde die Fähre
zwischen Caputh und Geltow auf den Namen Tussy getauft. |