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     HIZ - Artikel  vom  20 Juli 2010                      

Eine nicht ganz ernste Geschichte.
Wie kam die Fähre von Schwielowsee - Caputh zu ihrem Namen "Tussy"
Werder(Havel):
- Vor langer Zeit im Jahre 1968, als die DDR noch bestand ereignete sich folgendes.  Die Fähre war Staatseigentum und wurde von einem Kapitän und seinem Matrosen betrieben. An einem kalten Winterabend begab sich eben dieser Matrose in eine bekannte Gaststätte in Caputh, um einen kräftigen Rum zu sich zu nehmen. Aus einem wurden mehrere. Gegenüber an einem Tisch saß eine allein stehende junge Dame von ca. 23 Jahren, die ebenfalls dem Alkohol kräftig zusprach. Zur fortgeschrittener Stunde kam man sich langsam näher und fing an, miteinander zu plaudern. Die junge Dame war in der derzeitigen DDR recht unglücklich und wollte unbedingt in den goldenen Westen. Dort sollte es nach der Fernsehwerbung zu urteilen viel besser sein als in der DDR. Da lachte sogar die geplagte Hausfrau bei ihrem täglichen Hausputz. Alles ging von selber, so zeigte es jedenfalls die TV-Werbung. Da hatte der Mattrose eine rettende Idee. Er bot seine uneingeschränkte Hilfe an. Man verabredete sich für den nächsten Abend an gleicher Stelle, da der Matrose vorher noch einige Vorbereitungen treffen wollte. Am nächsten Abend traf man sich zur verabredeter Zeit wieder in der gleichen Gaststätte. Der Matrose bot an, die Dame als "Blinder Passagier" mit seinem Schiff in den Westen zu bringen. Die Dame war hellauf begeistert. Am Abend darauf, gegen 24.00 Uhr, sollte es los gehen. Sie sollte nur leichtes Gepäck mitbringen und mit keinem darüber reden. Republikflucht wurde hart bestraft. Wiederum erschien die Dame tags danach, diesmal mit leichtem Handgepäck für die Reise in den ersehnten Westen. Der Matrose holte sie nach draußen auf einen Parkplatz, wo sein Trabant geparkt war. Falls die illegale Ausreise auffallen sollte und die Dame, das zur Flucht missbrauchte Schiff bei anschließender Vernehmung durch die Stasi nicht verraten konnte, einigte man sich auf eine Augenbinde. So wurden die Augen der Dame mit einem Stück Tuch verbunden.  Jetzt begann die Fahrt zum Schiff. Nach ca. zwei Stunden Fahrzeit quer durch Brandenburg kam man endlich am Ziel an. Der Matrose half der fluchtwilligen Dame, die immer noch die Augenbinde trug beim Aussteigen aus dem Fahrzeug und führte sie über eine Gangway zum Schiff. Dort angekommen führte er sie eine steile Treppe hinab durch den Maschinenraum in die separate fensterlose Taukammer, wo er für sie ein Nachtlager vorbereitet hatte. Jetzt erst durfte sie ihre Augenbinde abnehmen. Die Dame wurde noch einmal von dem Matrosen eindringlich belehrt, dass sie sich ja nicht bemerkbar machen sollte sonst würde die Staatssicherheit aufkreuzen und beide abführen. Bautzen wäre dann für beide sicher. Er würde die Kammertür  hinter sich verschließen und den Schlüssel immer bei sich tragen, so dass keine andere Person in diesen Raum kommen könnte. Für die Notdurft stellte er einen Eimer parat, den er täglich leeren wolle. Ebenso wolle er ihr täglich Verpflegung bringen. Seine Dienste wolle er aber jedes mal mit körperlicher Liebe vergütet

wissen. Da die Dame unbedingt in den Westen ausreisen wollte, stimmte sie den etwas merkwürdigen Bedingungen uneingeschränkt zu. Sie bekam pünktlich drei mal am Tage ihre Essen und bezahlte jedes mal mit körperlicher Liebe. So ging es bereits mehrere Wochen. Bei Tage fuhr das Schiff, das hörte man an den donnernden Dieselmotoren und nachts legte es irgendwo an. Am nächsten Tag ging es wieder weiter. Nach ihrer Berechnung müsste das Schiff bald in westliche Gewässer einlaufen. Nach weitern zwei Wochen vergaß der Matrose einmal, die Tür zur Kabelkammer abzuschließen. Nachts schlich sich die Dame trotz strengsten Verbotes ganz heimlich an Deck, um nachzusehen ob sie schon im goldenen Westen waren. Sie wollte erkunden, ob westliche Schiffe in der Nähe fuhren. An Deck stieß sie fast mit dem Kapitän zusammen, der zufällig zu dieser Nachtzeit an Deck war um die Festmacherleinen zu kontrollieren. Er hielt die junge Dame fest und fragte ebenfalls erschrocken, was sie zu dieser Nachzeit hier auf seiner Fähre in Caputh wolle. Jetzt brach sie zusammen und erzählte dem Kapitän ihre ganze Geschichte. Von der geplanten Flucht in den Westen, dem liebesüchtigen Matrosen, der sie täglich besuchte und dem Versteck in der Kabelammer. Da fing der Kapitän an laut zu lachen und sagte: "Du dumme Tussy, wir sind hier auf der Fähre zwischen Geltow und Caputh".  Zur Erinnerung an diese Begebenheit wurde die Fähre zwischen Caputh und Geltow auf den Namen Tussy getauft.