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Reguliert, aber kaum sichtbar: Wie Städte in der Havelregion mit Sexarbeit umgehen

Wenn man durch Städte in der Havelregion läuft, sieht man das Thema oft gar nicht. Und trotzdem ist es da. Sexarbeit, Prostitution, Escort – wie man es auch nennt. Es findet nur meist nicht dort statt, wo alle es sehen. Kein Rotlichtviertel wie in großen Metropolen. Kein „Kiez“, der auf der Karte steht. Sondern eher leise. Hinter Türen. Online. Und manchmal an Orten, über die man lieber nicht spricht.

Und genau das macht es für Städte und Gemeinden so knifflig: Es ist legal. Aber es soll nicht aus dem Ruder laufen. Es soll sicher sein. Und es soll keine Probleme im Alltag machen.

Erstmal kurz: Was ist hier eigentlich erlaubt?

In Deutschland ist Prostitution grundsätzlich legal. Aber: Sie ist stark geregelt. Der Staat will damit vor allem zwei Dinge erreichen. Schutz für die Menschen, die diese Arbeit machen. Und klare Regeln für Betreiber und Orte.

Dafür gibt es das Prostituiertenschutzgesetz. Das klingt sperrig. Heißt aber im Kern: Wer sexuelle Dienstleistungen anbietet und Hure werden möchte, muss sich anmelden. Und wer ein Prostitutionsgewerbe betreibt, braucht eine Erlaubnis.

Brandenburg ist ein Sonderfall: Keine Sperrbezirke

Viele denken bei kommunaler Steuerung sofort an „Sperrbezirke“. Also Zonen, wo Prostitution verboten ist. In Brandenburg ist das aktuell anders. Offiziell heißt es: Im Land Brandenburg bestehen keine Sperrbezirke, in denen Prostitution verboten ist.

Das bedeutet aber nicht, dass Kommunen nichts machen können. Es heißt nur: Es gibt kein großes, flächiges Verbot per Sperrbezirks-Regelung. Stattdessen läuft vieles über die Praxis vor Ort. Also über Zuständigkeiten, Auflagen, Kontrollen und konkrete Einzelfälle.

Wer macht was? Einmal Behörden-Deutsch, aber verständlich

In Brandenburg sind Landkreise und kreisfreie Städte zuständig für Anmeldung und gesundheitliche Beratung. Für vieles rund um Prostitutionsstätten und Kontrollen sind dann Ämter, amtsfreie Gemeinden und kreisfreie Städte zuständig.

Klingt trocken. Ist aber wichtig. Denn in der Havelregion heißt das praktisch: In Städten wie Brandenburg an der Havel oder in den Landkreisen in der Umgebung gibt es klare Stellen, die dafür zuständig sind. Und die haben mit dem Thema zu tun, auch wenn man es im Alltag kaum merkt.

Anmeldung: Warum das Thema „kaum sichtbar“ ist

Ein Grund, warum Sexarbeit heute so wenig sichtbar ist: Vieles läuft geordnet und eher im Hintergrund.

Wer als Prostituierte oder Prostituierter arbeitet, muss die Tätigkeit vor Beginn anmelden. Davor gibt es in der Regel eine gesundheitliche Beratung. Das ist nicht nur Papierkram. Das ist auch ein Kontrollpunkt. Behörden schauen dabei mit drauf: Ist die Person volljährig? Wirkt das freiwillig? Gibt es Hinweise auf Druck oder Ausbeutung? Das alles läuft nicht perfekt. Aber es ist ein Baustein.

Und Escort? Das ist für Städte extra schwierig

Escort ist für Kommunen oft noch schwerer zu greifen als klassische „sichtbare“ Prostitution. Warum?

Weil Escort meistens nicht im öffentlichen Raum passiert. Keine Laufkundschaft. Keine Straßenszene. Oft wird online beworben, verabredet, gefahren. Das ist leise. Und es erzeugt weniger Beschwerden aus der Nachbarschaft.

Heißt im Klartext: Städte bekommen Escort meist nicht über „wir sehen das“, sondern über andere Wege mit. Zum Beispiel über Hinweise, Kontrollen im Rahmen anderer Verfahren oder wenn es um Räume und Genehmigungen geht.

Kommunale Praxis: Was Städte wirklich beschäftigt

Wenn man mit Leuten in Verwaltungen spricht (oder sich vorstellt, wie das da läuft), dann sind das meist die echten Alltagspunkte:

  • Jugendschutz: Niemand will, dass so etwas in der Nähe von Schulen oder Spielplätzen passiert.
  • Öffentliche Ordnung: Müll, Belästigungen, Konflikte im öffentlichen Raum – das sind typische Auslöser für Beschwerden.
  • Sicherheit: Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.
  • Räume: Was passiert in Wohnungen? Was ist ein „Gewerbe“? Was ist baurechtlich erlaubt?

Und dann kommt noch etwas dazu: Viele Städte wollen keine Show daraus machen. Sie wollen es regeln, ohne es groß zu bewerben. Deshalb wirkt es nach außen oft so, als gäbe es das Thema nicht.

Wenn es doch sichtbar wird: punktuelle Eingriffe statt großer Verbote

Auch ohne Sperrbezirke können Kommunen reagieren, wenn es an einzelnen Stellen Probleme gibt. Dann geht es oft um konkrete Maßnahmen vor Ort. Mit Ordnungsamt, Polizei, Auflagen, Gesprächen. Nicht immer mit großen Schlagzeilen.

Für die Havelregion heißt das: Wenn etwas auffällt, wird es eher lokal gelöst. Schritt für Schritt. Und meistens pragmatisch.

Warum das Ganze am Ende auch eine Frage von Haltung ist

Jetzt mal „Jochen von nebenan“-mäßig: Ich glaube, die meisten Leute wollen vor allem eins. Ruhe. Ordnung. Und dass niemand ausgenutzt wird.

Und die Städte? Die stehen dazwischen. Sie müssen akzeptieren: Es ist legal. Gleichzeitig müssen sie Grenzen setzen, wenn es Ärger gibt. Und sie müssen hinschauen, wenn es um Schutz geht.

Darum ist es am Ende oft ein Balanceakt. Reguliert, ja. Aber im Alltag kaum sichtbar. Nicht, weil es „egal“ ist. Sondern weil Verwaltungsthemen oft genau so laufen: leise, bürokratisch, Schritt für Schritt.