Rund 70 Prozent der Bestandsgebäude in Deutschland sind unzureichend gedämmt. In Altbauten aus der Gründerzeit oder den fünfziger Jahren geht ein erheblicher Teil der Wärme durch Wände, Fenster und Dach verloren, bevor sie irgendwo ankommt.
Die gute Nachricht: Nicht jede Maßnahme kostet fünfstellig. Diese sieben Punkte sind nach dem Verhältnis von Kosten zu Wirkung sortiert, die günstigsten zuerst.
1. Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Menge Heizwasser bekommt, die für den jeweiligen Raum nötig ist. Ohne hydraulischen Abgleich werden die Heizkörper in der Nähe der Heizung überversorgt, die entfernten bleiben lauwarm. Also dreht man überall auf, und das Heizsystem läuft dauerhaft zu heiß. Genau hier entsteht der größte vermeidbare Verlust einer Heizungsanlage im Altbau.
Kosten: 700 bis 1.300 Euro für ein Einfamilienhaus, förderfähig Ersparnis: bis zu 15 Prozent der Heizkosten Amortisation: 3 bis 6 Jahre
Das Verfahren beim hydraulischen Abgleich läuft in drei Schritten: Der Fachbetrieb berechnet für jeden Raum die nötige Wärme nach Größe und Lage, stellt danach die Ventile an jedem Heizkörper ein und passt Vorlauftemperatur und Pumpenleistung des Heizsystems an.
Der hydraulische Abgleich ist für viele Gebäude inzwischen verpflichtend und wird gefördert. Über die Programme informiert das BAFA, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das Zuschüsse für die Optimierung bestehender Heizungsanlagen vergibt. Wichtig zu wissen: Ohne Nachweis über den hydraulischen Abgleich zahlt das BAFA für andere Maßnahmen am Heizsystem teilweise nicht.
Wichtig: Nach einer Dämmung muss der hydraulische Abgleich wiederholt werden, weil die Räume danach weniger Wärme brauchen und die alten Einstellungen nicht mehr passen.
2. Heizungspumpe austauschen
Alte Umwälzpumpen der Heizungsanlage laufen dauerhaft mit voller Leistung und ziehen 400 bis 800 Kilowattstunden Strom im Jahr. Eine Hocheffizienzpumpe kommt mit 80 bis 150 Kilowattstunden aus und passt ihre Leistung dem Bedarf des Heizsystems an.
Kosten: 300 bis 500 Euro inklusive Einbau Ersparnis: 100 bis 200 Euro Stromkosten pro Jahr Amortisation: 2 bis 4 Jahre
Diese Maßnahme ist der schnellste Rückläufer im ganzen Gebäude. Sie lohnt sich immer, wenn die Pumpe der Heizung älter als zehn Jahre ist, und lässt sich in zwei Stunden erledigen.
3. Rohrleitungen dämmen
Ungedämmte Heizungsrohre im Keller geben ihre Wärme an einen Raum ab, den niemand beheizen will. Bei zwanzig Metern Leitung summiert sich das auf 100 bis 200 Euro im Jahr.
Kosten: 10 bis 20 Euro pro Meter, in Eigenleistung ab 5 Euro Ersparnis: 5 bis 10 Prozent der Heizkosten Amortisation: 1 bis 3 Jahre
Die Dämmschalen gibt es im Baumarkt, aufgeschnitten aufstecken und verkleben. Für die meisten Kellerleitungen ist das Heimwerkerarbeit an einem Nachmittag. Gedämmt werden sollten auch die Armaturen und Bögen, dort geht am meisten verloren.
4. Thermostatventile erneuern
Alte Thermostate am Heizkörper regeln ungenau und überschwingen um zwei bis drei Grad. Moderne Ventile halten die eingestellte Temperatur in jedem Raum deutlich präziser und ergänzen den hydraulischen Abgleich sinnvoll.
Kosten: 15 bis 30 Euro pro Ventil, programmierbar 30 bis 70 Euro Ersparnis: 5 bis 10 Prozent Amortisation: 1 bis 2 Jahre
Programmierbare Thermostate lohnen sich besonders in Räumen mit klarem Rhythmus: Schlafzimmer nachts kühler, Bad morgens warm, Wohnzimmer abends. Ein Grad weniger Raumtemperatur senkt die Heizkosten um etwa sechs Prozent.
5. Den Energieträger und Tarif prüfen
Bei allen Maßnahmen an der Bausubstanz geht oft unter, dass auch der Preis pro Kilowattstunde eine wichtige Stellschraube ist. Wer seit Jahren beim Grundversorger bleibt, zahlt für Gas regelmäßig 1,5 bis 3 Cent pro Kilowattstunde mehr als beim günstigsten Anbieter am selben Ort; wer die Gastarife regional vergleichen lässt, sieht diesen Abstand für die eigene Postleitzahl auf einen Blick. Bei einem Altbau mit 22.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das 330 bis 660 Euro, ohne dass ein Handwerker das Haus betreten muss.
Kosten: keine Ersparnis: 200 bis 660 Euro pro Jahr Amortisation: sofort
Achten Sie auf die üblichen Punkte: zwölf Monate Preisgarantie, zwölf Monate Laufzeit, keine Vorauskasse. Prüfen Sie außerdem den Abschlag. Viele Haushalte zahlen zu hohe monatliche Beträge und geben dem Versorger damit einen zinslosen Kredit.
6. Oberste Geschossdecke und Kellerdecke dämmen
Die günstigste bauliche Maßnahme im Altbau. Beide Flächen des Gebäudes sind meist frei zugänglich und lassen sich ohne Gerüst dämmen.
Kosten: 30 bis 60 Euro pro Quadratmeter, in Eigenleistung ab 20 Euro Ersparnis: 5 bis 12 Prozent bei der Geschossdecke, 3 bis 8 Prozent beim Keller Amortisation: 5 bis 10 Jahre
Bei der obersten Geschossdecke reicht es, Dämmplatten auszulegen, wenn der Dachboden nicht genutzt wird. Soll er begehbar bleiben, kommen druckfeste Platten mit Verlegeplatte darüber, was den Preis etwa verdoppelt.
Die Kellerdecke wird von unten gedämmt. Achten Sie auf die Raumhöhe: Zwölf Zentimeter Dämmung sind viel, wenn der Keller ohnehin niedrig ist.
7. Fassadendämmung und Fenster
Die wirksamste, aber auch teuerste Maßnahme. Eine effiziente Dämmung von Fassade, Kellerdecke und Dach senkt die Energieverluste eines Gebäudes deutlich und macht ein kleineres Heizsystem möglich.
Kosten: 150 bis 250 Euro pro Quadratmeter Fassade, Fenster 600 bis 1.200 Euro pro Stück Ersparnis: 20 bis 35 Prozent Amortisation: 15 bis 25 Jahre
Bei denkmalgeschützten Altbauten scheidet die Außendämmung häufig aus. Dann bleibt die Innendämmung, die bauphysikalisch anspruchsvoller ist und zwingend fachlich geplant werden muss, sonst droht Schimmel hinter der Dämmebene.
Bei den Fenstern gilt: Der Austausch lohnt sich energetisch erst bei einfach verglasten oder sehr alten Kastenfenstern. Zweifachverglasung aus den neunziger Jahren zu ersetzen, rechnet sich über die Energieeinsparung allein nicht.
Die Maßnahmen im direkten Vergleich
| Maßnahme | Kosten | Ersparnis pro Jahr | Amortisation |
|---|---|---|---|
| Tarifwechsel Gas | 0 € | 200 bis 660 € | sofort |
| Heizungspumpe tauschen | 300 bis 500 € | 100 bis 200 € | 2 bis 4 Jahre |
| Rohrleitungen dämmen | 200 bis 600 € | 80 bis 200 € | 1 bis 3 Jahre |
| Thermostatventile | 150 bis 700 € | 80 bis 180 € | 1 bis 2 Jahre |
| Hydraulischer Abgleich | 700 bis 1.300 € | 150 bis 350 € | 3 bis 6 Jahre |
| Geschossdecke dämmen | 2.000 bis 5.000 € | 150 bis 400 € | 5 bis 10 Jahre |
| Fassadendämmung | 20.000 bis 45.000 € | 500 bis 1.200 € | 15 bis 25 Jahre |
Werte für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche.
Die Reihenfolge ist eindeutig: erst der Tarif, dann die Heizungsanlage mit hydraulischem Abgleich und neuer Pumpe optimieren, dann die einfachen Dämmmaßnahmen, zuletzt die Fassade. Wer umgekehrt vorgeht, investiert 30.000 Euro und hat immer noch eine falsch eingestellte Heizung.
Was im Alltag zusätzlich hilft
Diese Punkte kosten nichts und wirken sofort:
- Stoßlüften statt Kippfenster. Fünf Minuten weit öffnen tauscht die Luft, ohne die Wände auszukühlen. Ein gekipptes Fenster kühlt die Laibung über Stunden aus.
- Heizkörper freihalten. Vorhänge und Möbel davor senken die Wärmeabgabe jedes Heizkörpers um bis zu 20 Prozent.
- Rollläden nachts schließen. Bringt eine zusätzliche Luftschicht am Fenster und spart 2 bis 5 Prozent.
- Reflexionsfolie hinter dem Heizkörper. Kostet 20 Euro und lohnt sich bei ungedämmten Außenwänden.
- Türen zu unbeheizten Räumen schließen. Verhindert, dass warme, feuchte Luft in kalte Zimmer zieht.
- Heizkörper entlüften. Einmal zu Saisonbeginn, dauert zehn Minuten pro Raum, und die Heizung arbeitet danach wieder effizient.
Ein Punkt, den Altbaubewohner oft übersehen: Die Raumtemperatur muss nicht überall gleich sein. 20 Grad im Wohnzimmer, 17 im Schlafzimmer und 22 im Bad ist ein realistisches Profil, das gegenüber durchgehend 22 Grad rund 15 Prozent spart.
Wer ohnehin über eine größere Sanierung nachdenkt, sollte die Maßnahmen bündeln. Der Zusammenhang zwischen energetischem Zustand und Wert ist inzwischen deutlich, wie sich auch daran zeigt, worauf es beim Immobilienkauf wirklich ankommt. Und wer die Sanierung finanzieren muss, findet Hinweise dazu, wie junge Käufer beim Immobilienkredit die Kontrolle behalten.

